Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe

Fallzahlen in den Allgemeinen Sozialen Diensten

Soziale Dienste

Seit Juli 2011 ist im Rahmen des Vormundschaftsrechtes des SGB VIII eine Fallzahloberbegrenzung von höchstens 50 Vormundschaften oder Pflegschaften festgeschrieben.

Ver.di fordert, auch im ASD/KSD eine gesetzliche Fallzahlbegrenzung einzuführen.
„Der gesellschaftliche Auftrag des ASD/KSD ergibt sich aus dem Sozial- und Rechtsstaatsgebot des Grundgesetzes und den darauf bezogenen Sozialgesetzen. Das in Artikel 20 des Grundgesetzes verankerte Sozialstaatsprinzip verpflichtet die Träger staatlicher Gewalt, zeitgemäße soziale Leistungen anzubieten, und diese so wirksam wie möglich zu gestalten, um die Würde und das Wohl der Bürger und Bürgerinnen zu achten und zu fördern… Der ASD/KSD ist vom Prinzip der umfassendste Basisdienst für soziale Leistungen auf kommunaler Ebene.“
(BAG ASD/KSD, Auftrag, Aufgaben und Zukunft des ASD/KSD, www.bag-asd.de)

Die Realisierung von Grundrechten steht im Zentrum unserer Arbeit.
Seit Jahren beklagen wir die unzureichende Mittel- und Personalausstattung und stellen insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen fest, dass die Überforderung und Überlastung der Fachkräfte den Regelfall darstellt und dadurch die notwendigen Bedingungen für eine sach- und fachgerechte Aufgabenwahrnehmung in Frage gestellt sind. Darum sehen wir in einer gesetzlichen Fallzahlbegrenzung eine notwendige Standardsicherung zur Realisierung unseres Auftrages und zur Vermeidung von Gesundheitsbelastungen.
Auf Grundlage von Rückmeldungen von ver.di KollegInnen aus der ganzen Republik entstand nachfolgende ver.di-Positionierung.

Unsere ver.di-Position
Die Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD/KSD) sind bundesweit von Kommune zu Kommune unterschiedlich organisiert und ausgestattet. Trotzdem lassen sich die Schwerpunkt- und Kernaufgaben nach dem SGB VIII in den ASDs und die entsprechenden Anforderungen an die Kolleginnen und Kollegen generalisieren. Die vielerorts problematische Haushaltslage führt dazu, dass der Aufgabendruck hoch ist.
Die besondere Brisanz von Kinderschutz bzw. Kindeswohlgefährdung und die entsprechenden Änderungen im SGB VIII haben, weil eine Anpassung der Ressourcen in der Regel nicht erfolgte, die Belastungen im ASD noch verstärkt.
Wir stellen fest: Für eine gewissenhafte, sach- und fachgerechte Aufgabenwahrnehmung fehlen vielerorts die notwenige Zeit und das entsprechende Personal.

ver.di mischt sich ein: Wir fordern sachgerechte Arbeitsbedingungen, damit die Rechte der Menschen in diesem Lande realisiert werden können und dies ohne dass unsere Kolleginnen und Kollegen wegen der hohen Arbeitsbelastung Opfer von Burnout werden.

Für bessere Arbeitsbedingungen müssen wir selbst, Beschäftigte in den ASDs, gemeinsam mit ver.di und Personalräten aktiv werden.
Wir wollen uns nicht aufhalten mit der „Nichtvergleichbarkeit“ der Aufgabenzuschnitte der einzelnen ASDs und der Debatte „wann wird ein Fall zum Fall“. Bundesweit sind sich die Beschäftigten in den ASD/KSD einig, die Arbeitsbelastung nimmt zu, die Verantwortung ist hoch und das Personal reicht nicht.
In einigen wenigen Kommunen ist aktiven Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit ihren Personalräten in ihren jeweiligen Verwaltungen gelungen, Personalbemessungen durchzusetzen, die im ASD zu anerkannten Personalmehrbedarfen führten und auch in neue Stellen umgesetzt wurden.
Da dies nicht zu allgemeinen Standards führte, fordern wir gesetzliche Regelungen zu Fallobergrenzen als verbindlicher Mindeststandard.

Richtwerte in den Fachdiensten Jugendgerichtshilfe, Pflegekinderdienst oder auch dem Führen von Vormundschaften etc sind anerkannt und wirken sich bei fachlichen und organisatorischen Diskussionen zur Arbeitsverteilung und -belastung positiv aus. Es lassen sich daraus Anhaltspunkte für Personalforderungen ableiten.

Unser Vorschlag für die Bezirkssozialarbeit im ASD/KSD/RSD und unsere Herangehensweise sieht wie folgt aus.
Wir haben vier Kernaufgaben zugrunde gelegt:
HzE- Fallbearbeitung (incl. Dokumentation) Kinderschutz/Kindeswohlgefährdung (incl. Dokumentation) präventive Beratungsprozesse(incl. Dokumentation) Verfahren zu Trennung und Scheidung(incl. Dokumentation)
In der zusammengenommenen Summe aller 4 Kernbereiche der Arbeit der ASD/KSD/RSD darf eine Fallobergrenze von 28 Fällen pro Vollzeitkraft nicht überschritten werden. Fallunspezifische Arbeit und Aktivitäten, Kooperationen und Vernetzung im Sozialraum sind grundlegende Bestandteile der Arbeit des ASD.